Archiv für August, 2012

Nacht. Ein Essay. II

Posted in Kurzgeschichten on 13. August 2012 by Shaitanjr

Und weiter geht die Reise…

Ein Steinwurf. Jemand schrie, wie ich polternd zwischen den feuchten Grashalmen daherrutschte und meine Füße nicht zum Stillstand kamen. Ich keuchte.
Noch aus dieser Zeit erkenne ich heute, wie argwöhnisch man mich beobachtet hatte, aus einem Winkel der mir lang verborgen blieb. Ich arbeitete mich also vor zu erkunden, woher der Stein geflogen kam. Die Scheibe jedenfalls war zerstört und drinnen schimpfte die Hausherrin ob der wüsten Vandalen. Die nicht zu sehen waren. Es klirrte ein zweites Mal, als ich eben einen weiteren Stein aufs Fenster aufprallen sah. Ich spurtete los, untersuchte wohin der Stein gefallen war, nachdem er das Glas durchschlagen hatte. Mitten im Raum lag er, groß und ohne Blessuren. Woher mochte er gekommen sein? Es sah nicht danach aus, als habe er bereits vor dem Haus gelegen, ganz so als hätte ihn ein wilder Bursche aufnehmen und werfen können. Nein, dieser Stein war nicht von hier. Ebenso wenig war es der erste. So machte ich kehrt und bewegte mich – den Himmel observierend – in die Richtung aus der die Steine gekommen sein mussten. Krach. Hinter mir. Jetzt war auch das Dach beschädigt. Eine steinerne Kugel rollte vom Dach herab und landete vor dem zweiten Fenster. Drinnen tobte es erneut. Ob man denn niemals seine Ruhe vor Landstreichern haben könne, zeterte es. Ich war gewiss kein Landstreicher, obschon ich mit Begeisterung die Spuren der aus dem Nichts nahenden Steine erforschte.
Der dritte nun war mit Kerben übersäht. Eine wilde ungeordnete Spur von Krallen, die tief ins harte Fleisch geschnitten hatten. Auch dieser Stein war nicht aus der Umgebung entnommen worden. Das Spiel begann sich im Kreis zu drehen. Wer warf all die Steine um sich dann wieder zu verstecken? Und wozu brachte er sie aus einem anderen Wohngebiet hier her?
Ich hatte keine Verdächtigen und so blieb mir nichts anderes als den Steinregen einmal sich selbst zu überlassen. Lediglich bat ich die Hausherrin, sich drinnen sicher zu halten, um keinen Schaden zu nehmen.
Droben über mir dämmerte es. Die Sonne zog sich rasch hinter einer Wolkenwand zurück, um schließlich gänzlich das Weite zu suchen. Und noch immer flogen kleine und größere runde Steine auf das Haus zu. Sie schienen ungeordnet vom Himmel zu kommen, immer mehr prallten auf dem Hausdach auf, andere zerschlugen weitere Fenster oder landeten dort wo die ersten beiden ihren Weg gefunden hatten.
Ich richtete meine Front wieder auf mein Ziel, dorthin wo ich den Werfer zu finden hoffte. Das kleine Holzhaus war umringt von einem Gürtel aus Wald und zwischen den Bäumen herrschte schon jetzt modrige Blindheit. Trotzdem musste ich mich dorthin wagen, um endlich das Geheimnis zu lüften. Noch bevor ich tief in den nassen Wald eingedrungen war, erkannte ich eine mir wohlvertraute Silhuette zwischen den Stämmen.

(c) ShaitanJr, 13.08.2012
to be continued…