Für alle Sayyal-Freunde. Hier berichten sie, wie alles anfing.

Obschon ich nun eher unbekanntes von mir gab, gibt es hier noch einmal zwei Leben, die so lang begleitet wurden. Sayyal. Türen auf für die Schatten aus den fernen Traumländern…

Der Weg des Windes

Sayyal. Und weiter. Schneller fuhr uns der Wind durch die Hände bis wir abhoben. Sayyal, mein Drache. Und ich, der Traum.
Wir flogen weit hinüber, später noch erzählten wir davon, flogen und bliesen hier und da die letzten Lichter aus. Der Wind hauchte sein Wispern unter Sayyals Flügel, die federbeschneit über den Dächern wie Wolken hingen. Golden waren seine Augen, und in ihnen sah ich so oft, was mir verwehrt war. Ein Leben. Nein, nicht irgendeines. Nicht das eine, das ich lebte. Nicht die Leben, die schon so viele Träume vor mir gelebt haben. Ich wollte es schmecken, das Leben, das in Sayyals Augen brannte und ihm auf seinem dunklen Lichterweg leuchtete. Es war so anders, denn es war nicht das Leben eines Wesens, das fähig war zu sein.
Ich wollte mit Sayyal hinüber, bis weit hinter den Horizont, wo die Menschen der Stadt längst aufgehört hatten, Sinn und Unsinn, wahr und unwahr oder gar gut und böse zu unterscheiden. Dort sollte es sich leben lassen, für Sayyal und mich, den Traum. Aber Träume sind nun, wie alle Wesen, zum Sein bestimmt und müssen ihren vorgegebenen Weg gehen. Ein bisschen Schicksal hier, einen Funken Gottheit dort und zu guter letzt eine Messerspitze Menschsein. Wir sind doch alle ein bisschen Mensch. Tief in uns und weit dort draußen, wo alles aufhört so zu sein wie wir es uns wünschen. Auch Sayyal ist Mensch, auch ich. Und auch alle die Wesen, die zwischen Welten in Trümmern umher gehen und sich selbst suchen. Alle die Existenzen, die neu sind. Die schon immer waren oder die nie sein werden. Alle, die nicht sprechen, nicht denken, so wie wir. Träume können nicht denken. Mein Drache denkt nicht. Sayyal fühlt. Sayyal weiß. Manchmal sagt er mir, wenn er etwas vergessen zu haben glaubt. Und dann erinnere ich ihn daran, dass seine Sehnsucht nicht echt ist. Tröste ihn und zeige ihm, warum alles Wissen immer in uns ist. Alles was wir wissen müssen, ist da und kann nicht vergessen werden. Energie, die ist, kann nicht einfach gelöscht werden. Licht, das gelöscht wird, erstrahlt an einer anderen Stelle neu – vielleicht nicht mehr sichtbar, aber stetig.
Und so flogen auch wir, mein Drache. Wir schwebten über Häuser und Felder, entsandten Nachtgrüße und weckten zum Morgengrauen. Immer der Gegenwind, der uns um die Schultern peitschte, die schmalen. Träume brauchen nicht viel Platz. Aber sie sind manchmal größer als man es sich vorstellen kann.
Bald schon sahen wir das Licht vor uns, silbern schimmerte unser Ziel für uns. Sayyal, ich glaubte es, er weinte. Vor Glück und Erleichterung. Bald würden wir da sein. Bald rasten. Für immer. Nur diese eine Strecke noch. Es war doch nie weit. Nie gewesen.
Ein paar letzte Flügelschläge noch, bevor mein Drache niedersank und wir uns hinter den Gittern unseres Seins wieder fanden. Ein letztes Schnaufen, bevor ich die Augen schloss und den neuen Weg in die ewige Dunkelheit antrat.

19.02.2010 © ShaitanJr

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